Inception - EinTraum im Traum im Kino

"Batman - The Dark Night" Regisseur Christopher Nolan verwirklichte mit viel Fantasie und einem großen Budget ein Projekt, das ihm zehn Jahre im Kopf rumspukte. Neben clever verschachtelter Traumpsychologie bietet sein neuer Thriller "Inception", der ab heute in den deutschen Kinos läuft, auch furiose Actionsequenzen und eine hervorragende Besetzung. 


Ein unerhörtes Szenario erschafft Christopher Nolan in seinem neuesten Werk „Inception“: Mittels eines speziellen Apparates erhalten gewievte Spione Zugriff zum menschlichen Gehirn und können somit gezielt geheime Informationen und Gedanken direkt aus den Träumen ihrer Opfer heraus stehlen. Diesen Vorgang nennt man Extraktion. Industriespion Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist der absolut Beste auf diesem Gebiet, was für ihn auch seine Schattenseiten hat: Er wird auf der ganzen Welt gesucht und hat alles verloren, was er liebte. Ein letzter Auftrag könnte ihm zu seinem alten Leben zurück verhelfen, aber nur, wenn ihm das absolut Unmögliche gelingt: die so genannte Inception. Statt eines perfekt ausgeführten Diebstahls müssen Cobb und sein Spezialistenteam das genaue Gegenteil vollführen. Ihr Auftrag lautet nicht, eine Idee zu stehlen, sondern eine einzupflanzen. Doch Dom Cobb (wir ahnen es schon an DiCaprios durchgängig sorgenvoll zerfurchter Stirn, wie er sie zuletzt in Scorseses „Shutter Island“ eindrucksvoll vorführte) hat selbstverständlich sein ganz eigenes Sorgenpäckchen sorgfältig in einem seiner hinteren Hirnlappen verschlossen, das sich jedoch bei seinen Ausflügen in die Köpfe anderer Menschen nun seinerseits den Weg ans Licht bahnen will.



Immerhin etwas beruhigend in dem Gänsehaut verursachenden Ideenkonstrukt von "Inception": Auch mit den Traumhirnen fremder Menschen kann nicht ganz problemlos grenzenloser Unfug getrieben werden, denn das Unterbewusstsein hat seine eigenen Methoden, sich gegen unerlaubte Zugriffe zu wehren. Verfrachtet man (oder besser gesagt: Christopher Nolan) diese mal mehr, mal weniger instinktiven Kontroll- und Abwehrmechanismen auf Traumfabriks große Leinwand, entstehen daraus rasante Actionsequenzen, bei denen (immerhin befinden wir uns  in einem Traum) weder Echtzeit noch physikalische Gesetze eine große Rolle spielen. Mit dieser gestalterischen Freiheit spielt Nolan zwar geschickt, im Endeffekt aber dennoch etwas zurückhaltend, bedenkt man die unerhörte Grenzenlosigkeit, die der fantasievolle Plot in sich birgt.

Und damit zeigt sich auch die einzige (wahrscheinlich unvermeidbare) Schwachstelle in dem ansonsten durchweg gelungenen Thriller: Anders als in unseren Träumen kommen wir im Kino letztlich doch an den profanen Grenzen der Realität nicht vorbei und bleiben passive Gäste in den Traumwelten anderer Menschen. Wenn der letzte Krümel Popcorn dann verspeist ist und der Hintern langsam nicht mehr sitzen mag, sei der Sessel auch noch so bequem, muss das Geschehen auf der Leinwand sich zu einem halbwegs abgerundeten Gesamteindruck zusammen gefügt haben. Endloses Abdriften in immer tiefere Gedankenwelten ist Auftrag und Sinn von Hollywood nicht, denn im Gegensatz zu den Figuren in Nolans Geschichte unterliegen wir Kinozuschauer eben doch den Gesetzen von Zeit und Raum, mag der Nachklang von „Inception“ uns auch noch so philosophisch nach Hause begleiten.


"INCEPTION“

Kinostart: 29. Juli 2010

Mit: Leonardo DiCaprio, Cillian Murphy, Ellen Page, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt

Drehbuch: Christopher Nolan

Regie: Christopher Nolan

Autor: A. Vollmer