Im Test: HTC TITAN

Wenn es um technische Raffinessen geht, fällt die Entscheidung zwischen iPhone 4S und Samsung Galaxy S2 schwer. Der Preis könnte entscheidend sein. Oder ein Konkurrent. Mit dem Windows Phone Titan geht HTC jedenfalls auf einen harten Verfolgungskampf.

In Sachen Größe schlägt das Titan mit seinen 131,5 Millimetern Höhe sowohl Samsung als auch Apple. Wer kleine Hände hat, erreicht mit dem Daumen deshalb nicht alle Bereiche des Displays. Nach wenigen Stunden Eingewöhnung ist das allerdings kein Problem mehr. Gleiches gilt für das Gewicht: Mit 160 Gramm hat das Gerät die Fliegengewichtsklasse weit hinter sich gelassen. Entscheidend ist beim Wohlgefühl mit dem Smartphone aber die Haptik. Und die ist mit nur 9,9 Millimetern Dicke bestens, obwohl der Schwerpunkt des Gerätes in der Hand scheinbar leicht nach unten kippt. Beim Gleichgewichtstest zeigt es sich aber gut austariert.

Zudem vermittelt das HTC Titan einen wertigen Eindruck. Kein billiges Plastik, keine halbseidene Öffnungsmechanik - der einfassende Aluminiumrahmen sorgt für beste Stabilität. Die Anschlussbuchsen für USB und Headset sind gut im Gehäuse versenkt. Die Tasten für die Lautstärkeregulierung, den Kameraauslöser und den Gerätestart sind ebenfalls so integriert, dass sie nicht stören. Lediglich die Kamera auf der Rückseite steht leicht hervor, was diese anfällig für Kratzer macht. Insgesamt sammelt das Smartphone dank guter Verarbeitung viele Pluspunkte.

Das Licht unter dem Scheffel

Ganz ähnlich ist das beim Display. Mit seinem 4,7-Zoll-Bildschirm rangiert das Titan an der Marktspitze. Brillante Bildschirmfarben und ein sehr gutes Kontrastverhältnis sorgen für beste Sicht bei allen umgebenden Lichtverhältnissen. Unterdimensioniert ist hingegen die Auflösung: Mit 800 mal 480 Pixel ist das HTC nur Mittelklasse - und das obwohl der Prozessor deutlich mehr leisten könnte. Wer Internetseiten nutzt, muss deshalb immer wieder Pinch-to-Zoom nutzen. Aber das stört letztlich nicht.

Einen guten Eindruck hinterlässt das HTC-Gerät beim Tempo. Der 1,5-Gigahertz-Prozessor (Single Core) und das Betriebssystem harmonieren gut. Das Smartphone fährt schnell hoch, Eingaben auf dem Display werden schnell verarbeitet. Lediglich einen kleinen Hänger leistet sich das Titan bei der virtuellen Tastatur. Die ersten zwei Buchstaben werden etwa bei SMS oder Internetadressen mit Verzögerung angezeigt. Danach geht es aber reibungslos. Webseiten bauen sich schnell auf, etwas länger dauert es bei Karten.

Zu den großen Vorzügen des Gerätes gehört der Akku. Voll aufgeladen und bei dauerhaft aktiviertem Wlan sind bis zu fünf Tage Betriebszeit kein Problem, mit eingeschaltetem 3G sind es etwas weniger. Wer alle Datendienste ausschaltet, schafft sogar bis zu 21 Tage Standby-Betrieb. Das hat das Smartphone seinem Energiesparmodus zu verdanken, der sich in zwei Optionen aktivieren lässt: automatisch dann, wenn der Energiestand schon niedrig ist, oder aber ständig. Letzteres ist jenen Nutzern zu empfehlen, die viel unterwegs sind - und daher ständig die Funkzelle wechseln.

Das Leben in den falschen Farben

Doch auch bei diesem HTC gilt wie bei allen Smartphones: Je mehr Datendienste aktiv und dauerhaft in Betrieb sind, desto schneller sinkt der Energiestand. Insbesondere gilt das für GPS-Dienste.

Bei Fotos und Videos zeigt das HTC Titan dann eine seiner größten Schwächen. Die Kamera oberhalb des Displays verfügt nur über 1280 mal 1024 Pixel (1,3 Megapixel). Das ist bei weitem nicht überragend und lässt nicht mehr als matschige, stark verrauschte, pixelige Bilder zu. Die fransen bei kontraststarken Übergängen zudem deutlich aus. Auch die rückwärtige 8-Megapixel-Kamera ist nur wenig besser. Schärfe ist genauso wenig ihre Stärke, wie saubere Farben. Weiße Flächen sind überstrahlt. Dunkle Schattierungen gehen zu stark in Schwarz über, wobei Details kaum noch wahrnehmbar sind. Etwas besser schneidet die Kamera bei Einzelfotos ab. Überragend sind die Ergebnisse aber auch hier nicht. Zumindest wird das HTC jedoch mit einer Fotoverbesserungssoftware ausgeliefert.

Bei der Sprachqualität erzielt das Smartphone durchschnittliche Werte: Die Lautstärke ist in Ordnung - auch beim Freisprechen. Ein leichtes Rauschen bleibt aber auch direkt am Ohr nicht aus.

Ob das HTC Titan tatsächlich die beste Wahl ist, hängt vom Kunden selbst und dessen Affinität zum Betriebssystem ab. Anders als iOS und Android ist Windows Phone OS 7.5 weniger weit verbreitet. Das macht sich dann auch beim Windows Marketplace bemerkbar. Zwar gibt es zahlreiche Apps, die Auswahl ist aber nicht so groß wie bei der Konkurrenz. Hinzu kommt die Frage der Preise. Es gibt viel kostenlose Software. Bei kostenpflichten Angeboten hinkt Windows Phone aber hinterher. So kostet das bereits mehr als 500 Millionen mal verkaufte Mobilspiel Angry Birds im Schnitt 0,79 Euro. Im Marketplace wird es für 2,99 Euro angeboten.

Fazit. Raffiniert gelingt es HTC mit guter Hardware den Druck auf die Konkurrenten Apple und Samsung zu erhöhen. Das Titan ist ein starkes Gerät, das für seinen Preis die wichtigen Funktionen - Telefonie, Datenübertragung, Orientierung - bestens erfüllt. Viele Pluspunkte sammelt das Gerät dank seines leistungsstarken Akkus, der die Marktkontrahenten locker zu überflügeln weiß. Perfekte Boni des Geräts sind das vorinstallierte Office-Paket, eine integrierte, gut ausleuchtende Taschenlampe (die über die Blitzfunktion agiert) und die Musikwiedergabe. Betriebssystem und Kameraleistung sind hingegen die Schwächen. Hier entscheidet am Ende der Verbrauchergeschmack. Tatsächlich aber trägt das Gerät seinen Namen - Titan - zu Recht.

Gerät: HTC Titan X310eHersteller: HTCFarbvarianten: SchwarzPreis: zirka 550 EuroLieferumfang: Headset, USB-Netz-Adapter, USB-Kabel, Geräteanleitung

Quelle: Nachrichten - Technik Nachrichten - HTC Titan im Test - Der Gigant unter den Smartphones
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Autor: ALV